Erdmuth Dorothea von Zinzendorf
(1700 - 1756)


Erdmuth Dorothea von Zinzendorf war eine geborene Gräfin Reuß aus Ebersdorf in Thüringen. Mit 22 Jahren heiratete sie den gleichaltrigen Reichsgrafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf. Beide Ehegatten waren im pietistischen Geist erzogen worden. Zinzendorf hatte seine Frau von vornherein auf eine »Streiterehe« vorbereitet, in der nicht das persönliche Glück der Eheleute, sondern die gemeinsame Arbeit für das Reich Gottes im Vordergrund stehen sollte. Der Gräfin, einer sehr klugen und lebenstüchtigen Frau, waren in diesem Konzept alle wirtschaftlichen und finanziellen Aufgaben zugedacht. Sie übernahm die Verwaltung von Berthelsdorf, Zinzendorfs Gut in der Oberlausitz. Dazu kam die Betreuung der neuen Siedlung Herrnhut, wo Zinzendorf Glaubensflüchtlinge aus Mähren aufgenommen hatte. Hier entstand unter Zinzendorfs Leitung die Herrnhuter Brüdergemeine, an deren Aufbau und Fortbestand Gräfin Erdmuth entscheidenden Anteil hatte. Sie sorgte viele Jahre lang für einen soliden finanziellen und wirtschaftlichen Rahmen der rasch anwachsenden Gemeinschaft.

1732 wurde der Gräfin die »Ortsherrschaft« in Berthelsdorf und Herrnhut übertragen, als Zinzendorf aus Sachsen verbannt wurde. Lange Zeit war sie gleichzeitig Gutsherrin in der Oberlausitz und »Hausmutter« der »Pilgergemeine«, die mit Zinzendorf im Exil lebte. Als offizielle Vertreterin der Brüdergemeine unternahm sie Reisen nach Dänemark, Livland und Russland.

Nach 1743 zog sie sich aus gesundheitlichen Gründen mehr und mehr ins Privatleben zurück. Sie hatte zwölf Kinder geboren, von denen aber nur vier das Kleinkindalter überlebten.
Von der Gemeine sehr geliebt und verehrt starb Erdmuth von Zinzendorf 1756 in Herrnhut. Mit ihrem gesunden Realitätssinn war sie die unentbehrliche Ergänzung zu Zinzendorfs Genialität, in ihrer Frömmigkeit, die in ihren vielen Gedichten und Liedern Ausdruck fand, ein Vorbild für die Gemeine.
 
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